[wer hoch faehrt, kann tief fallen.]
hallo liebe daheimgebliebene!
hinter uns liegen die bisher spannendsten "strassen" meiner bisherigen reise.
doch fangen wir lieber an, wo wir stehen geblieben sind.
ayacucho(peru), der erste tag ging zu ende (kurz nach unserem besuch im internetcafé) und obwohl es mir schon wie 3tage vorkam, brach der 2. tag an.
aber ich blieb im bett.
nur nicole wagte sich an diesem vormittag vor die tuer, erst um uns fruehstueck zu besorgen, spaeter um spannenendere dinge zu finden, als mir beim denken zu zuschauen.
So machte ich mich mal wieder alleine auf den Weg. Und da es mich wie immer nach oben trieb, fand ich schon bald eine Gasse, die mich erst ueber einen weiteren Markt und spaeter zu vielen, vielen Treppen fuehrte. So stand ich vor der Entscheidung diese zu meistern oder ihnen den Ruecken zu kehren, um mir einen anderen Weg zu suchen. Ich nahm die Herausforderung an und hatte zum Ende hin auch wirklich zu kaempfen. Aber von gaaaanz oben (das hiess von dem meines erachtens hoechsten Huegel der Stadt) hatte ich dann eine wunderschoene Aussicht auf die doch ganz schoen grosse Stadt Ayacucho und ihrer Umgebung(Peru). Leider schien heute mal keine Sonne und dort oben wurde es mit der Zeit dadurch frisch, um nicht zu sagen kalt. Also machte ich mich schon bald wieder auf den Rueckweg, vorbei an Stierkampfarenen in die zu gehen ich mich nicht haette ueberreden lassen.
als nicole dann zurueck kam (es war schon nachmittag und ich hatte mich vom denken dem lesen zugewand) scheuchte sie mich aus meiner ruhestaette, gemeinsam gingen wir fuer den morgigen tag bus-tickets kaufen.}
bei der ersten busgesellschafft wurden wir mit leichtem erstaunen abgelehnt (wie kommen die gringos nur auf die idee von hier nach andahuayalas(peru) zu wollen).
von da an wusste ich, irgendwas wird nicht so sein, wie es bisher immer war.
beim verlassen traffen wir zwei franzosen, die uns dann doch eine busgesellschaft nennen konnten und uns sogar noch hinfuehrten (gracias, war ueberigens das erste mal, das ich spanisch zu komunikation mit nicht latino-amerikanern einsetzte).
unterwegs erzaehtlen sie uns noch, dass es ueberhaupt nur zwei busgesellschaften auf dieser strecke gibt, da den anderen wohl die strasse zu schlecht sei...
mit dem kauf der tickets erschoepfte sich dann auch dieser tag, uns gespannt zuruecklassend, was uns erwarten wuerde.
der bus war kleiner als gewohnt, aber das reifenprofil in ordnung.
bis zum naechsten groesseren ort war alles schoen, die landschaft, mein fensterplatz.
doch dann kam etwas, was mich noch bis in den schlaf verfolgen sollte.
an dieser stelle sehe ich mich gezwungen eine starke, wenn auch nicht panische hoehenangst zuzugeben.
die strasse verengte sich zu einer einspurigen schotterpiste und die abhaenge tuermten sich zu schluchten auf.
zu allem ueberfluss hielt der busfahrer nicht viel vom bremsen und neigte sich die strasse des oefteren bedrohlich zum abgrund hin.
hinter all diesen schrecken lag eine fazinierende landschaft aus fels, schneebedeckten gipfeln und gruenen taelern, in denen jeder noch so steile hang landwirtschaftlich genuzt wurde.
leider hatte ich zwischen den ganzen schreckmomenten (moment trifft es nicht ganz, es waren ehr langezogene sekunden voller hoffnung, angst und busfahrervertrauen, wenn sich der bus mal wieder neigte oder mit unverminderter geschwindigkeit auf eine kurve zufuhr, hinter der es sehr, sehr tief nach unten zu gehen schien) nicht allzu viel zeit mich der wirklich berauschenden landschaft zu widmen.
(das in der letzten klammerbemerkung angesprochene busfahrervertrauen gleicht dem gemeinhin bekannten gottvertrauen bis dahin, dass man sich erstens zu eh nichts anderem im stande mehr sieht und zweitens sich nie ganz sicher ist, ob das vertrauen gerechtfertigt ist).
noch am ende des tages sollte ich beim schliessen der augen eine sich am abgrund gerade noch vorbeimogelnde, sich vor lauter physikalischer unmoeglichkeit windende staubstrasse durch die berge sehen.
doch wie diese email beweist und das ende des tages bereits andeute, wir kamen natuerlich wie erwartet heil und froh in andahuayalas(peru) an.
andahuayalas, ein wirklich verschlafenes nest, am ende einer vernuenftigen strasse und einer andeutung eines weges durch die anden (ich kann mich bis jetzt nicht durchringen die zurueckgelegte strecke als richtige strasse anzuerkennen).
und wenn wir schon mal hier sind, meinte nicole, dann sollten wir auch mal den aufbau unserer roten blutkoerperchen foerdern und durch die gegend laufen (hoehentrainig nennt das der sportler).
so wanderten wir durch verwegene vororte, stille eukalyptushainen, vorbei an muellhalden und einer staubigen strasse folgend.
etwas abseits, an einem feldrand niedergelassen, wurden wir durch den durchdringenden blick einer baeuerin wieder vertrieben, die anscheinend nicht ganz sicher war, wie sie zwei gringos auf ihrem feld in ihr weltbild einordnen sollte.
auch sonst waren die reaktionen auf uns beide, soweit draussen vom zentrum, recht doerflich, freundlich bis misstrauisch.
kurz vor der ermattung, kamen wir an einen kleinen weg, der von der strasse abzweigend in einen steilen hang hinunter zu einem plaetschernden, wenngleich auch von der hoeher liegenden stadt versauten, fluesschen.
von dort unten kamen uns eine reihe von tieren entgegen (ziegen, schafe, kuehe und ein hund), wenig spaeter gefolgt von auch noch einigen menschen (inklusive kleinem kind).
so wurden wir aufmerksam und meine lust geweckt, mit nicole dort in dieses flusstal zu steigen.
nach einigem straeuben liess sie sich dann doch breitklopfen und folgte mir in den abgrund, bis zu einer herzallerliebsten lichtung, nah genug am fluss fuer dessen liebliches plaetschern, hoch genug um von dessen geruch und treibgut bewahrt zu bleiben.
dort lagen wir noch eine weile in der warmen gebirgssonne und genossen das erste mal in peru eine liegewiese gefunden zu haben, auch wenn die freude durch schafkacke gedaempft wurde.
Da ich unbedingt den Rueckweg ebenfalls zu Fuss absolvieren wollte (ein paar hundert meter in richtung unserer Stadt fuhr auch ein Bus, der uns bis fast vor unsere Haustuer gefahren haette), mussten wir schon bald von dieser Lichtung aufbrechen. Immer naeher dem Ziel kommend, stieg meine Wut auf mich selbst nicht doch den Bus genommen zu haben (bei mir verhielt es sich genau umgekehrt, mein unmut laufen zu muessen wich mehr und mehr dem gefuehl, dem triumph, auch diesen weg bewaeltigt zu haben), denn meine Fuesse qualmten inzwischen und mein Magen knurrte. Aber wir kamen sogar noch im Hellen an, kauften noch schnell ein und verschwanden dann ganz schnell in unserem Bett, von dem keiner von uns so richtig Lust hatte nochmals aufzustehen.
heute (was der naechste morgen war) fuhren wir weiter nach abancay(peru), wobei unser aufbruch (06:00) etwas hektisch verlief, da der wecker falsch gestellt war.
die heutige strecke war weitaus beruhigender, so das ich mit mehr ruhe die grossartige aussicht geniessen konnte.
eigentlich sind wir nur ins naechste tal gefahren, nur das die bergkette dazwischen so hoch war, das der weg zum pass und wieder herunter 5,5stunden in anspruch nahm (fuer eine strecke, die luftlinie im flachland wahrscheinlich in einer stunde zu schafen ist).
viele viele schoene, geradezu ueberwaeltigende, berauschende anblicke, die denen vom vortag in nichts nachstanden (ausser dem gefuehl gleich runter zu fallen) und an einigen stellen, an denen das tal vor einem ausgebreitet lag, mir glatt den atem verschlugen.
so sind wir dann heute in abancay(peru) angekommen (das wir schon zwei stunden vor unserer ankunft, von ganz ganz oben sehen konnten) und schon morgen solls weitergehen, cusco(peru), das zentrum der inkakultur.
von da gibt's dann bestimmt wieder mail, um euch ganz viele sachen zu erzaehlen, von tempeln und so.
bis dahin
viele liebe gruesse aus der ferne...}
...da gnuwwel + nicole...